Print ist tot?! Ein Nachtrag zur Differenzierung

Wenn ich meinen Blogeintrag mit der Headline „Print ist tot?! Nein, aber es schwächelt“ überschreibe, meine ich nicht die Printmedien als solche, sondern spreche/schreibe in erster Linie über die (problematische?) Befindlichkeit der (österreichischen) Druckindustrie. Dies soweit, um Missverständnisse zu vermeiden.
Selbstverständlich sind weder Print noch die Printmedien tot. Glauben wir dem Riepl’schen Gesetz der Komplementarität der Medien wird eine Mediengattung auch dann nicht aussterben, wenn eine neue Mediengattung in den Markt eintritt. Zeitungen und später Zeitschriften bzw. Illustrierte sind nicht verschwunden, als Radio kam. Radio ist nicht verschwunden, als Fernsehen kam. Und auch das Internet in seinen unterschiedlichsten Ausformungen hat keine der „alten“ Medien zum Aussterben gebracht. Vielmehr kommt es zu einer inhaltlichen und strukturellen Veränderung der etablierten Medien – es werden schlichtweg andere bzw. neue Verwertungsbereiche entwickelt.

Aber dieses Schwächeln der Druckindustrie hängt unmittelbar mit sinkenden Auflagen bei Zeitungen, Zeitschriften und Büchern sowie bei sogenannten Akzidenzdrucksorten wie Geschäftsberichten oder Katalogen zusammen. Einige Beispiele:

  1. Kataloge, die früher zumindest quartalsweise oder saisonal aktualisiert und neu gedruckt wurden, werden als (blätterbare) PDF’s in die Unternehmenswebsite eingebunden und über Social Media Tools wie etwa issuu zur Verfügung gestellt. Dies kann zusätzlich zur Printversion geschehen oder die Printversion zur Gänze ersetzen.
  2. Fachzeitschriften reduzieren beispielsweise ihren Auslandsversand aus Kostengründen auf das notwendige Maß und stellen ausländischen Lesern die einzelnen Ausgaben eines Magazins ebenfalls als blätterbares PDF oder auf einer Plattform wie issuu zur Verfügung.
  3. Produktkataloge werden etwa auf Messeständen den Interessenten nicht mehr in gedruckter Form überreicht sondern in Form eines USB Sticks, auf dem sich ein blätterbares PDF befindet – eventuell gleich mit integrierten Bestellmöglichkeiten. Zudem lassen sich auf dem USB-Stick weitere Informationen wie Unternehmenspräsentationen, Neuigkeiten, Animationen oder Bildmaterial dazupacken.
  4. Bücher werden in gedruckter Form und als E-Book auf den Markt gebracht. Dies lässt die Druckauflage des einzelnen Titels sinken. Manche Buchtitel erscheinen überhaupt nur mehr als E-Book.
  5. Zeitschriften werden als App auf einem Tablet gelesen. Anstatt ein periodisches Medium monatlich oder zweimonatlich im Kiosk zu erstehen, wird die App am Tablet installiert – das Magazin wird entweder automatisch als Abo oder manuell als Einzelbestellung auf das Tablet geladen. Ein Grund, warum die Auflagen der Printmedien sinken, wenn auch nicht der einzige. Aber: Printmedien sind deswegen noch lange nicht tot. Noch nicht?

Ich habe meine berufliche Laufbahn in der Druckereibranche bzw. der grafischen Industrie begonnen und beobachte als Druckfachmann und (Fach-)Journalist die Branche – inklusive meiner Ausbildungszeit an der Grafischen – seit nahezu 30 Jahren. Immer wieder haben sich Technologien und Märkte verändert, und diese Veränderungen waren/sind wichtig, um eine Weiterentwicklung zu garantieren. Trotzdem kann die Druckindustrie nicht so weiter machen wie bisher – so, als wäre nichts gewesen. Mit neuen Geschäftsmodellen, Wertschöpfungsketten und Produkten muß die Druckindustrie ihre Zukunft gestalten.

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