Print ist tot?! Nein, aber es schwächelt.

Die drupa 2012 ist Geschichte, die Presseaussendungen der ausstellenden Unternehmen sind voller Jubelmeldungen über Geschäftsabschlüsse und Präsentationserfolge.
Auch die Veranstalter zeigen sich zufrieden, obwohl diese Zufriedenheit – beim Lesen zwischen den Zeilen – einen bitteren Beigeschmack hat. Aber man kann sich ja alles schönreden wollen bzw. müssen.
Fakt ist, daß die drupa 2012 rund 75.000 Besucher weniger als im Jahr 2008 verzeichnete. Das ist ein Besucherrückgang von nahezu 20 Prozent. Ein ähnliches Bild bietet sich bei den Austellerzahlen. Waren es im Jahr 2008 1.927 Aussteller, so präsentierten heuer 1.850 Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen in Düsseldorf – ein Rückgang von etwa fünf Prozent.
Diese Zahlen sind ein Spiegel der wirtschaftlichen und strukturellen Befindlichkeit der (globalen) Druckindustrie und der damit verbundenen Probleme, die ich nachfolgend punktuell zusammengefaßt habe:

  1. Die Medienlandschaft und damit auch die Druckindustrie befinden sich in einem Paradigmenwechsel; bedingt auch und vor allem durch die rasant wachsenden Kommunikations- und Werbemöglichkeiten im Medium Internet – insbesondere in den sozialen Netzwerken. Internet und soziale Netzwerke verbreiten Nachrichten und Informationen in Echtzeit und machen damit eventuell so manches (periodische) Printprodukt obsolet oder zwingen es in eine andere Form der Informationsverarbeitung und Informationsverbreitung.
  2. Sämtliche Märkte sind gekennzeichnet von Überkapazitäten bei gleichzeitig geringer Eigenkapitaldecke der Unternehmen. Die Druckindustrie ist eine investitionsintensive Branche; es gilt, technologisch Schritt zu halten. Gleichzeitig kommt es durch die Überkapazitäten zu ruinösen Preiskämpfen. Es entsteht eine Abwärtsspirale, die nur schwer zu stoppen ist.
  3. Auch die Druckindustrie unterliegt dem Globalisierungseffekt. Waren es beispielsweise bis vor wenigen Jahren österreichische Unternehmen, die um eine Auftragserteilung von Werbeagenturen und werbetreibenden Unternehmen ritterten, so spielen in diesem Angebotskonzert nun Unternehmen aus dem ganzen EU-Raum – insbesondere aus dem umliegenden süd-ost-europäischen Staaten mit. Technologisch hervorragend ausgestattet und qualitativ auf ähnlichem Niveau offerieren Unternehmen aus diesen Ländern unter anderem aufgrund eines niedrigeren Lohn- und Gehaltsniveaus weitaus günstiger als heimische Unternehmen. Dazu kommen dann noch die Angebote aus Fernost, die vor allem bei extrem großen Produktionsmengen etwa bei Werbeartikeln nahezu unschlagbar sind.
    Namhafte österreichische Branchenspezialisten wie etwa Ing. Michael Braun, Geschäftsführer der Druckerei Paul Gerin, oder Ing. Mag. Christian Handler vom Verband Druck & Medientechnik wünschen sich ein klares Bekenntnis zur Generierung von Wertschöpfung im eigenen Land durch die Vergabe von Druckaufträgen an heimische Druckereien. Damit halten wir nicht nur die Wertschöpfung im eigenen Land und sichern damit Arbeitsplätze und Kaufkraft der Angestellten in Druckereien sondern schonen durch kurze Transportwege auch Umwelt und Ressourcen.
  4. Dies führt uns zum Stichwort Nachhaltigkeit. Dieses darf weder auf Produzenten- noch auf Zuliefererseite ein Lippenbekenntnis sein bzw. bleiben. Offene Deklaration bzw. Transparenz von Produktbestandteilen ist gefordert; die einzelnen Schritte von Prozeß- und Produktionsketten müssen offengelegt werden.

Ursprünglich erschienen als Editorial des Fachmagazins OUT-OF-HOME – Ausgabe 3/2012.

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