Mundart Facebook

„Wos brauch i des?“ war meine erste Frage bzw. mein erster Gedanke als ich vom Release des Österreich-Netzwerks Sankt Onlein gehört und gelesen habe. Und ich frage mich noch immer. Denn, ich suche noch immer nach der Differenzierung zu anderen Online Communitys.
Matthias Euler Rolle hat sich mit „Wer, bitte, braucht denn das?“ schon die richtige Frage gestellt, als Dr. Heinrich Schuster, Eigentümer der Betreiberfirma UGC Internet-Plattform GmbH, ihn fragte, ob er Content Chef von Sankt Onlein werden wolle.
Aber alles der Reihe nach: Was ist Sankt Onlein ist und was will es. Kurz gefaßt: Sankt Onlein ist ein regionales Social Media Angebot für Österreich.
„Die Genialität des Konzepts“, so Content Chef Matthias Euler-Rolle bei der Pressekonferenz, „liegt in der Verbindung von drei Angeboten, die es einzeln zwar schon gibt, aber erstmals verknüpft als Dreifaltigkeit nur bei sanktonlein.at.“


Was ist nun diese Dreifaltigkeit? Mit meiner Begründung, warum das nicht brauchen!

  • „Sanktonlein.at ist eine Plattform für User-Generated-Content und will den Menschen eine Bühne geben.“
    Jede Community bzw. jedes Social Media Angebot ist Bühne für die User und lebt von deren Content. Das gilt für Facebook ebenso wie für Xing und LinkedIn oder auch Twitter. Ohne User Generated Content gibt’s keine Community. Amen.
  • „Sanktonlein.at ist zum Zweiten eine ‚Digitale Zeitung‘ von Usern für User.“
    Die Social Media Welle hat zahlreiche interessante Applikationen nach oben gespült. Darunter befinden sich unter anderem auch Summify und Paper.li, die digitale Zeitungen etwa anhand von Hashtags generieren und an zuvor definierten Zeitpunkten über einzelne Social Media Tools in diverse Communitys spielen. Einfach steuerbar, ohne mich als UserIn von einer einzigen Plattform bzw. Community abhängig machen zu müssen.
  • „Sanktonlein.at ist ein „regionaler Marktplatz“ für Österreich – ein E-Commerce-Werkzeug für Unternehmen, Produzenten und Händler und eine Plattform für Online Advertising.“
    Ich sag nur „Regional“ versus „World Wide [Web]“. Social Media Plattformen leben von der Internationalität der User und der Möglichkeit, über Grenzen hinweg Produkte zu verkaufen, Handel zu betreiben, Werbung zu plazieren und damit möglicherweise auch neue Kunden außerhalb des „Na, san wir leiwand“-Biotops Österreich zu gewinnen.
    Tut mir leid, aber in Zeiten von internationalisierten Märkten ist das ein glatter Anachronismus. Da ist ja fast so, als würde ein Unternehmer in unserer hochmotorisierten Zeit massiv in die Produktion von Pferdekutschen investieren.
    Zudem würde ich als Unternehmer – egal ob Produzent oder Händler – meine E-Commerce Aktivitäten niemals an die Existenz einer Social Media Community koppeln; und zwar nicht mal ansatzweise.

Unterstrichen wird der Regionalbezug in der Art und Weise der Ansprache der UserInnen – nämlich in Mundart. Die Tageszeitung Der Standard hat das in seiner Online-Ausgabe wunderbar auf den Punkt gebracht:

„Einreisen dürfen zwar Angehörige aller Nationen, spezielle Mundartkenntnisse vorausgesetzt. […] Weibliche Onleiner des ‚ÖsterreichNetzWerk‘ heißen ‚Madln‘, männliche Pendants ‚Buam‘. Wer einen Kommentar posten will, ‚gibt seinen Senf dazu‘, der mit ‚Find ich gut‘ oder ‚Ned so meins‘ quittiert werden kann. Beim Beziehungsstatus stehen unter anderem ‚unterm Schlapfen‘ und ‚Anbratbar‘ zur Auswahl.“

Dr. Heinrich Schuster, der mit seinen Unternehmen über viele Jahre hinweg die österreichische und auch südosteuropäische Außenwerbelandschaft mitgeprägt hat, ist Eigentümer der UGC Internet-Plattform GmbH, dem Unternehmen hinter Sankt Online. Finanziert habe er die 2 Millionen Euro ohne Fremdkapital, auch für mögliche Durststrecken seinen noch Mittel da, berichtet die Tageszeitung „Der Standard“ in seiner Online-Ausgabe. 100.000 User sollen es bis Jahresende sein, mittel- bzw. langfristig soll Sankt Onlein 300.000 bis 400.000 Einwohner haben.

Nur so zum Vergleich: Auf Xing finden sich 360.000 österreichsiche UserInnen (davon sind 45.000 Premiummitglieder), Linked In schafft es auf 160.000 ÖsterreicherInnen (Quelle: Digital Affairs)
Auf Facebook tummeln sich rund 2,8 Millionen ÖsterreicherInnen (Quelle: Digital Affairs)

Ich kenne natürlich weder die detaillierte Markt- und Markenstrategie noch die internen Papers oder Charts, auf denen die Ziele von Eigentümer Heinrich Schuster basieren. Aber, um von den eben genannten Plattformen ausreichend UserInnen abzuziehen oder auch nur für eine Mehrfachnutzung zu begeistern, bedarf es meines Erachtens nach einer Geheimwaffe. Matthias Euler-Rolle ist sie nicht.
Und wollen wir hoffen bzw. ich wünsche Sankt Onlein, daß das Unternehmen seine Ziele erreicht, denn dann – erlauben Sie mir den Zynismus – ersparen wir dem AMS, Leistungen an 22 Mitarbeiter auszuzahlen.

Wie sieht es bei Euch/Ihnen aus? Sind Sie/bist Du schon bei Sankt Online registriert und aktiv? Wenn ja, wie sind die ersten Erfahrungen? Wenn nicht, was hält Sie/Dich von einer Registrierung ab?
Oder, um mit Sankt Onlein Content Chef Matthias Euler-Rolle zu sprechen: „Wer, bitte, braucht denn das?“

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Ein Kommentar auf “Mundart Facebook”

  1. hans sagt:

    finde es eine richtig witzige Idee! ich bleib dort mal :)

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