Zeitungen und Zeitschriften weiter in der Krise

Trotz aller Entwarnung betreffend der sogenannten Wirtschaftskrise geht es den Zeitungen und Zeitschriften nicht besser. Ganz im Gegenteil: Jetzt gegen Ende des Jahres geht die Ertragskurve nach unten. Das ist unter anderem auch darauf zurück zu führen, daß im ersten Halbjahr bzw. bis nach dem Sommer noch Anzeigenaufträge schlagend wurden, die bereits im Jahr 2008 abgeschlossen wurden. In der zweiten Jahreshälfte blieben dann so manche Anzeigenaufträge aus, die Ertragslage sinkt rapide. Die Folge: Freisetzung von Personal, Kürzung der Umfänge und Verlängerung der Erscheinungsfrequenz.
So streicht die New York Times rund 100 Journalistenstellen. Das sind acht Prozent des 1.250 Mitarbeiter umfassenden Newsrooms. Nach Sparmaßnahmen, die in anderen Bereichen getroffen wurden, sind dies die ersten massiven Stellenkürzungen bei der New York Times.
Insgesamt sinken in den USA die Auflagenzahlen im Print-Sektor weiter, die Reichweiten im Web steigen hingegen an. Was wiederum meine These untermauert, daß nicht nur die aktuell wirtschaftlich problematische Situation an der Substanz von Zeitungen und Zeitschriften knabbert, sondern es insgesamt in Medienproduktion und vor allem mediennutzung zu einem Paradigmenwechsel kommt. Die Krise hat den Paradigmenwechsel lediglich beschleunigt.
Doch zurück zu den Zeitungen der USA. Der Verlegerverbandes Audit Bureau of Circulations hat aufgezeigt, daß die Auflagen im Zeitraum von April bis September um knapp elf Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken sind. Etwa zwei Drittel der 25 größten US-Zeitungen mussten einen Auflagenschwund von zehn Prozent oder mehr hinnehmen. Die stärksten Rückgänge gebe es beim San Francisco Chronicle mit minus 26 Prozent sowie bei USA Today mit minus 17 Prozent, der Los Angeles Times mit minus elf Prozent, der New York Times mit 7,3 Prozent oder der Washington Post mit minus 6,4 Prozent. Lediglich Murdochs Wall Street Journal konnte die Auflage im Vergleich zum Vorjahr steigern – um bescheidene 0,6 Prozent.
Die „Washington Post“ wird nach mehr als 25 Jahren zum Jahresende die wöchentlich erscheinende nationale Ausgabe einstellen. Grund: anhaltender Leserschwund und ein wengbrechender Anzeigenmarkt. Die Auflage des Wochenblatts mit seiner Mischung aus aktuellen Nachrichten, Reportagen, Buchkritiken, Kommentaren, Leitartikeln und Comics sei in den vergangenen zehn Jahren von 150.000 auf 20.000 Stück geschrumpft.
Neben Tages- und Wochenzeitungen trifft es auch den Zeitschriftenmarkt. So setzt Time Warner den Rotstift an seiner Magazinsparte an und kürzt die Erscheinungsweise des seit 1930 erscheinenden Fortune Magazine. So sollen nur mehr 18 statt 25 Ausgaben erscheinen. Zudem wird es zu weiteren Stellenstreichungen bei Time Inc., der Magazin-Sparte von Time Warner, kommen.
Aber nicht nur in den USA, auch in Europa und bei unseren Nachbarn, ist die Medienkrise allgegenwärtig. So ging das Inseratenaufkommen der Schweizer Printmedien im Juli dieses Jahres gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um rund 23 Prozent zurück. Die in der Inseratenstatistik der WEMF AG für Werbemedienforschung erfassten Printmedien erwirtschafteten vergangenen Monat umgerechnet 52 Millionen Euro mit dem vermarkteten Flächen-Inventar. Laut der Inseratenstatistik der WEMF AG für Werbemedienforschung erwischte es nahezu alle Segmente wie die Sonntagspresse mit einem Minus von rund 38 Prozent, die Tageszitungen mit einem Minus von -24.6 Prozent, die Finanz- und Wirtschaftspresse mit minus 34.1 Prozent, die Publikumspresse mit rund minus -35 Prozent oder die Fachpresse mit rund 25 Prozent.
Dramatisch ist diese Situation nicht nur für die Zeitungen und Zeitschriften bzw. die Verlage. Dramatisch ist die Situation auch für Druckereien, Papierfirmen und vor allem für die Journalisten und Anzeigenverkäufer. Diese stehen vor einem Arbeitsmarkt, der vollkommen gesättigt ist. Die freien unter den Journalisten arbeiten in anderen Bereichen frei weiter, ein Überangebot ist vorhanden. Folge: die Honorare sinken, Lebensqualität und Kaufkraft ziehen mit. So treten lang gediente JournalistInnen ins Prekariat ein.

Empfehlen/Bookmark
Tags:

Hinterlassen Sie einen Kommentar